Small Talk: USA vs. Deutschland
Der massive Small Talk in den USA erleichtert die Beziehungen; sein Fehlen in Deutschland ist normal.
Bedeutung
Zielrichtung : Erkennen, dass Small Talk in den USA ein soziales Schmiermittel ist, in Deutschland jedoch oberflächlich.
Interpretierter Sinn : Small Talk ist universell; sein Fehlen in Deutschland bedeutet Feindseligkeit.
Geographie des Missverständnisses
Offensiv
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- germany
1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung
Der massive Small Talk in den USA (weather, family, sports, vacations, weekend plans) fungiert als obligatorisches soziales Schmiermittel. Meyer (2014) stellt fest, dass die USA eine "emotionally expressive culture" sind: Das Teilen persönlicher Details schafft Bindung, Vertrauen und schnelle zwischenmenschliche Beziehungen. Ein Geschäftstreffen mit 5-10 Minuten Small Talk zu beginnen, ist eine erwartete Norm, selbst in einem formellen Unternehmenskontext. Ein Verzicht auf Small Talk wirkt kalt, unpersönlich, feindselig oder sozial unerwünscht. Umgekehrt spiegelt das Fehlen von Small Talk in Deutschland "Fokus auf die Arbeit" und nicht Feindseligkeit wider. Schroll-Machl (2003) betont, dass Deutsche Small Talk als oberflächlich oder sogar manipulativ betrachten: "Warum sollten Sie über das Wetter sprechen, wenn Sie strategische Angelegenheiten besprechen müssen?"
2. Wo die Dinge aus dem Ruder laufen: Geographie des Missverständnisses
Ein Amerikaner, der an Small Talk gewöhnt ist, fragt einen deutschen Partner: "Nice weather today, huh?" Der Deutsche antwortet direkt und sachlich: "Yes. Typisch für April. Now, let's review the contract terms..." Der Amerikaner interpretiert dies als eisige Kälte oder Mangel an warmer Beziehung; der Deutsche interpretiert Small Talk als respektlose Zeitverschwendung. Umgekehrt wird ein Deutscher, der zu einem US-Meeting direkt zum Geschäftlichen kommt ("Let's start: agenda item 1..."), als unhöflich, ohne soziale Fähigkeiten oder arrogant wahrgenommen. Die Franzosen wenden einen gemäßigten Small Talk an (mehr als Deutschland, weniger als die USA, die mehr Feingefühl zeigen). Die Japaner wenden Small Talk sehr vorbereitet und formalisiert an (Bow, Kartenvorlage, strukturierte Komplimente), nicht spontan.
3. Historische Entstehung
Der amerikanische Small Talk entstand aus der Grenzkultur: Kurze Interaktionen zwischen Fremden erfordern einen schnellen Aufbau von Vertrauen und Kameradschaft. Nach 1950 normalisierte die amerikanische Unternehmenskultur Small Talk als wichtige Soft Skills, "people skills" und Beförderungskriterium. In Deutschland, nach 1800, legte die Industrie Wert auf Effizienz, Direktivität und die Einhaltung von Zeitvorgaben. Die Ost-West-Spaltung (1945-1990) verstärkt dies: Westdeutschland importiert und verstärkt die Kultur der Effizienz, Ostdeutschland radikalisiert sie durch die sowjetische Kultur.
4. dokumentierte Vorfälle
2006: Ein amerikanischer Manager, der nach Deutschland versetzt wurde, verbrachte die ersten 5 Minuten jeder Besprechung mit Small Talk (Wetter, Wochenende). Das deutsche Team beschwerte sich förmlich, dass er "Zeit verschwendet" und "sich nicht an unseren Zeitplan hält" Nach einer Beschwerde reduziert er den Small Talk auf 30 Sekunden. 2012 besuchte ein deutscher CEO die US-Zentrale in New York und ging bei einem Begrüßungsmeeting direkt zum Geschäft über ("Let's address the Q2 issues immediately"). Die US-Exekutive hält ihn für "lacking people skills" und "unwilling to build relationships"
5. Praktische Empfehlungen
Investieren Sie in den USA in einen anfänglichen Small Talk (mindestens 3-5 Minuten). Stellen Sie offene Fragen ("How was your weekend?", "Any fun plans?"), hören Sie aktiv zu, teilen Sie den entsprechenden persönlichen Hintergrund mit. In Deutschland sollten Sie Small Talk drastisch reduzieren und schnell zum Geschäftlichen übergehen. Das Fehlen von Small Talk als Zeichen von beruflichem Fokus, nicht von Feindseligkeit, respektieren. Wenn Sie unsicher sind, beobachten Sie, was Ihr Partner tut und passen Sie Ihren Stil an.
Quellen
- Schroll-Machl, Sylvia. Doing Business with Germans: Their Perception, Our Perception. Vandenhoeck & Ruprecht, 2003.
- Meyer, Erin. The Culture Map. PublicAffairs, 2014.
- Hall, Edward T. Beyond Culture. Anchor, 1976.