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CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

← Kinesik — Gesten

Eins zählen: Daumen oder Zeigefinger?

In Kontinentaleuropa zeigt man eins mit dem Daumen, im angelsaechsischen Raum mit dem Zeigefinger — ein bewaehrter Quell falscher Bestellungen.

Vollständig✓ GeprüftNeugier

Kategorie : Kinesik — GestenUnterkategorie : chiffres-sur-doigtsVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0017

Bedeutung

Zielrichtung : Die Zahl eins anzeigen.

Interpretierter Sinn : In einem kontinentaleuropaeischen Kontext kann ein Angelsachse, der den Zeigefinger fuer eins hebt, als zwei interpretiert werden. Umgekehrt kann ein Europaeer, der den Daumen in einer britischen Bar hebt, als Daumen hoch gelesen werden.

Geographie des Missverständnisses

Neutral

  • france
  • germany
  • austria
  • switzerland
  • italy
  • belgium
  • netherlands
  • spain
  • portugal
  • greece
  • malta
  • sweden
  • norway
  • denmark
  • finland
  • usa
  • canada
  • uk
  • ireland
  • australia

Nicht dokumentiert

  • indigenous-peoples
  • east-asia
  • south-asia
  • latin-america
  • middle-east
  • africa

§1 — Zwei Zonen, eine Hand

Das Zaehlen mit den Fingern ist nicht universell: Zwei Hauptkonventionen koexistieren in Europa und der westlichen Welt.

Kontinentalzone (Frankreich, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Italien, Spanien, Portugal, Griechenland, slawische Laender): Das Zaehlen beginnt beim Daumen. Die geschlossene Hand oeffnet sich vom Daumen her: Daumen = 1, Daumen + Zeigefinger = 2, Daumen + Zeigefinger + Mittelfinger = 3, bis zum kleinen Finger = 5.

Angelsaechsische Zone (UK, Irland, USA, Kanada, Australien, Neuseeland): Das Zaehlen beginnt beim Zeigefinger. Zeigefinger = 1, Zeigefinger + Mittelfinger = 2, Zeigefinger + Mittelfinger + Ringfinger = 3, bis zum kleinen Finger + Daumen = 5.

Fuer die Zahl eins ist der Unterschied maximal: Daumen allein vs. Zeigefinger allein.

§2 — Morris et al. (1979): Die grundlegende Kartierung

Morris, Collett, Marsh und O'Shaughnessy (1979) erstellten die erste systematische interkulturelle Kartierung des Fingerraehlens in 25 europaeischen und mediterranen Laendern, die die kontinental/angelsaechsische Bipolaritaet fuer eins bestaetigte.

Axtell (1998) bestaetigt dieselbe Verteilung. Matsumoto und Hwang (2013) klassifizieren diese Variation unter Unterschiede mit hohem Missverstaendnispotenzial.

§3 — Bar und Restaurant: Die maximale Reibungszone

Dokumentierte Missverstaendnisse treten fast ausschliesslich in Kontexten mit begrenzter verbaler Kommunikation auf. Armstrong und Wagner (2003) stellen fest, dass dieses Missverstaendnis zu den am haeufigsten genannten bei Expatriates gehoert.

§4 — Inglourious Basterds (2009): Ein toedliches Missverstaendnis inszeniert

In Quentin Tarantinos Inglourious Basterds (2009) bestellt der britische Agent Archie Hicox drei Glaeser Whisky, indem er Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger hebt — die angelsaechsische Konvention fuer drei. Diese Geste verraet sofort seine Identitaet an die anwesenden SS-Offiziere.

Tarantino erklaerte in mehreren Interviews, diesen realen kulturellen Unterschied bewusst eingebaut zu haben.

§5 — Praktische Empfehlungen

In internationalen Kontexten gilt: die Zahl gleichzeitig aussprechen, waehrend man sie zeigt. Fuer Fachleute in multikulturellen Umgebungen reicht ein kurzes Bewusstsein fuer die beiden Systeme.

Historischer Ursprung

Morris, Collett, Marsh und O'Shaughnessy (1979) erstellten die erste systematische interkulturelle Kartierung des Fingerraehlens und bestaetigten die kontinentale (Daumen=1) und angelsaechsische (Zeigefinger=1) Bipolaritaet in 25 europaeischen Laendern. Tarantino (2009) dramatisierte dieses Missverstaendnis in Inglourious Basterds.

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Dans un contexte international, verbalisez le chiffre en meme temps que vous le montrez pour eviter toute ambiguite.

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Morris, D., Collett, P., Marsh, P., & O'Shaughnessy, M. (1979). Gestures: Their Origins and Distribution. Stein and Day.
  2. Axtell, R. E. (1998). Gestures: The Do's and Taboos of Body Language Around the World (revised edition). John Wiley and Sons.
  3. Matsumoto, D. & Hwang, H.C. (2013). Cultural similarities and differences in emblematic gestures. Journal of Nonverbal Behavior, 37(1), 1-27. —
  4. Tarantino, Q. (2009). Inglourious Basterds. The Weinstein Company / Universal Pictures.
  5. Armstrong, N. & Wagner, M. (2003). Field Guide to Gestures. Quirk Books.