Zum Hauptinhalt springen
CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

← Kinesik — Gesten

Füße auf dem Schreibtisch: Die Schuhsohle als Beleidigung

Die Füße auf den Schreibtisch zu legen — Sohlen sichtbar — ist in Nordamerika ein entspanntes Auftreten, gilt aber in der arabischen, islamischen Welt und weiten Teilen Asiens als schwere Beleidigung.

Vollständig✓ GeprüftBeleidigung

Kategorie : Kinesik — GestenUnterkategorie : pieds-chaussuresVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0077

Bedeutung

Zielrichtung : Entspannung und Ungezwungenheit in einem informellen Kontext (vor allem nordamerikanisch).

Interpretierter Sinn : In der arabischen, islamischen Welt und Südostasien wird das Zeigen der Sohle gegenüber einem Gesprächspartner — ob absichtlich oder nicht — als vorsätzliche Verachtung interpretiert. Der Gesprächspartner kann die Sitzung ohne Erklärung verlassen.

Geographie des Missverständnisses

Offensiv

  • saudi-arabia
  • iraq
  • iran
  • egypt
  • jordan
  • lebanon
  • syria
  • kuwait
  • bahrain
  • qatar
  • uae
  • oman
  • morocco
  • algeria
  • tunisia
  • pakistan
  • thailand
  • indonesia
  • malaysia
  • india

Neutral

  • usa
  • canada
  • australia
  • uk
  • ireland

Nicht dokumentiert

  • sub-saharan-africa
  • east-asia
  • latin-america
  • indigenous-peoples
  • western-europe

1. Die Schuhsohle: Unreinheit und Körperhierarchie

In islamischen Traditionen und vielen asiatischen Kulturen nehmen Fuß und Schuh den untersten Rang in der symbolischen Körperhierarchie ein. Die Sohle berührt den als unrein geltenden Boden und ist Gegenstand der rituellen Waschung (wudu) vor dem islamischen Gebet. Das Ausziehen der Schuhe vor dem Betreten von Moscheen, Tempeln und Wohnungen in weiten Teilen der muslimischen und asiatischen Welt veranschaulicht diese Hierarchie. Die Schuhsohle einem Gesprächspartner zuzuwenden — ob durch übereinanderschlagen der Beine, Ablegen auf Möbel oder Zeigen mit dem Fuß — gilt als Ausdruck von Verachtung.

2. Der westliche Schreibtisch vs. das universelle Tabu

In Nordamerika steht das Ablegen der Füße auf dem Schreibtisch für Entspannung oder informelle Macht. Im arabischen Raum, im Nahen Osten, in Iran, Pakistan, Indien, Thailand, Indonesien und Malaysia wird dasselbe Verhalten gegenüber einem Gesprächspartner als vorsätzliche Beleidigung oder zumindest als erschreckenden Mangel an Respekt gedeutet.

3. Der Obama–Netanyahu-Vorfall, Juni 2009

Im Juni 2009 fotografierte der Weiße-Haus-Fotograf Pete Souza Präsident Barack Obama, der die Füße auf dem Resolute Desk im Oval Office abgelegt hatte, während er mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu telefonierte — die Schuhsohlen deutlich im Vordergrund sichtbar. Israelische Beamte und arabische Kommentatoren deuteten die Geste als vorsätzliche Beleidigung. NPR, HuffPost und Poynter berichteten über die Kontroverse. Die Schuhsohle einem Gesprächspartner zu zeigen muss nicht absichtlich sein, um als schwere Beleidigung wahrgenommen zu werden.

4. Wiederkehrende berufliche und diplomatische Missverständnisse

Ähnliche Vorfälle — ein westlicher Manager, der beim Übereinanderschlagen der Beine dem Golfpartner die Sohle zeigt; ein amerikanischer Gastgeber, der beim Videogespräch mit einer nahöstlichen Delegation die Füße auf einen Tisch legt — werden von interkulturellen Beratern (Axtell 1998, The National UAE) als regelmäßige Quellen professioneller Missverständnisse dokumentiert.

5. Praktische Empfehlungen

Im internationalen Umgang mit arabischen, iranischen oder südostasiatischen Gesprächspartnern: (1) in formaler Sitzhaltung beide Füße am Boden; (2) Beine nicht so übereinanderschlagen, dass die Sohle auf jemanden zeigt; (3) bei Videokonferenzen sicherstellen, dass keine Schuhsohlen im Bildausschnitt sichtbar sind; (4) bei einem unbeabsichtigten Vorfall ausdrücklich entschuldigen.

Historischer Ursprung

In islamischen und asiatischen Traditionen nimmt die Schuhsohle den untersten symbolischen Rang des menschlichen Körpers ein — der Fuß berührt das Unreine, und der Wudu ritualisiert diese Hierarchie. Der Obama-Netanyahu-Vorfall (Juni 2009, NPR/HuffPost/Poynter) machte dieses Tabu auf diplomatischer Ebene sichtbar: ein unbeabsichtigtes Foto kann eine symbolische Krise auslösen.

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • En contexte international, notamment avec des interlocuteurs arabes, iraniens ou d'Asie du Sud-Est : gardez les deux pieds au sol. Si vous vous asseyez de façon décontractée, veillez à ce que les semelles ne soient pas visibles pour votre interlocuteur.

Zu vermeiden

  • - Ne pas projeter codes propres - Ne pas ignorer signaux malaise - Ne pas utiliser formellement sans certitude - Ne pas supposer intention

Neutrale Alternativen

Aufrecht oder leicht entspannt sitzen, Füße am Boden. In internationalen Meetings eine respektvolle neutrale Haltung einnehmen.

Quellen

  1. NPR. (2009, June 3). Obama's shoe soles provoke some Israelis. NPR. —
  2. Poynter Institute. (2009, June 3). Why photo of Obama talking to Israeli PM is insulting to Israelis. Poynter. —
  3. Axtell, R. E. (1998). Gestures: The Do's and Taboos of Body Language Around the World. John Wiley and Sons.
  4. The National UAE. (2020). Why showing the soles of your feet can be offensive in the Arab world. The National. —
  5. Slate. (2008, December 15). What do Iraqis find so insulting about shoes and feet? Slate. —