01Die Geste und ihre beabsichtigte Bedeutung
Jemandem die Hand auf den Kopf zu legen ist in der westlichen Tradition eine Geste der Zaertlichkeit, des Trostes oder des elterlichen Segens. Sie durchzieht Generationen: ein Erwachsener, der einem Kind liebevoll durch die Haare faehrt, ein Freund, der einem Trauernden die Hand auf den Kopf legt. Die Bedeutung scheint universal zu sein — ist sie aber nicht.
Im ueberwiegend theravada-buddhistischen Suedostasien (Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar, Vietnam) ist der Kopf der heiligste Koerperteil des Menschen. Er beherbergt den Kwan (auf Thai khwan, auf Laotisch kwvan), das Lebensprinzip oder die Seele. Die Fuesse sind am anderen Ende der koerperlichen Hierarchie das Niedrigste und Unreinste. Den Kopf einer anderen Person zu beruehren — unabhaengig von der Absicht — stellt eine schwere Verletzung dieses spirituellen Tabus dar. Dies gilt fuer Erwachsene, Kinder, buddhistische Moenchee und sogar fuer Statuen und Darstellungen des Buddha.
02Wo es schieflaeuft: eine Geografie des Missverstaendnisses
Der haeufigste Fehler wird von westlichen Reisenden begangen, die gegenueber thailaendischen, kambodschanischen oder laotischen Kindern Zuneigung ausdruecken. Die Geste — einem laechelnden Kind durch die Haare zu fahren, um es zu begruessen oder zu troesten — erscheint im Westen natuerlich und gutartig. Im theravada-Kontext stellt sie eine spirituelle Aggression gegen den heiligsten Teil des Koerpers eines Kindes dar. Die Reaktion der Umgebung kann von sichtbarem Unbehagen bis zur Weigerung, die Beziehung fortzusetzen, reichen.
Das Tabu gilt gleichermassen fuer Moenchee: den Kopf eines Moenchs zu beruehren ist eine besonders schwere Verfehlung, unabhaengig vom Rang der beruehrenden Person. Reisefuehrer, die von den Botschaften Thailands, Kambodschas und Myanmars herausgegeben werden, erwaehnen dieses Tabu ausdruecklich als eine der wichtigsten Regeln fuer auslaendische Besucher.
03Historische Urspruenge
Das Kopftabu in Theravada-Kulturen wurzelt in der buddhistischen Lehre vom Kwan, die in den Pali-Texten des Theravada-Kanons (Tripitaka, 3. bis 1. Jahrhundert v. Chr. unter Ashoka) enthalten ist. Der Kwan bezeichnet eine Reihe von Lebensprinzipien — in der thaiaendischen Tradition generell zweiunddreissig —, die in verschiedenen Koerperteilen residieren, wobei der wichtigste Kwan im Kopf lokalisiert ist. Die thaiaendische Baci-Zeremonie (oder Baisee), noch in Laos und Kambodscha praktiziert, ist ein Ritual zur Wiedervereinigung des Kwan, wenn dieser gestoert wurde.
Axtell (1998) stellt fest, dass dieses Tabu zu den Koerpersprach-Codes gehoert, die westlichen Reisenden in Suedostasien am wenigsten bekannt sind. Morris et al. (1979) dokumentieren die koerperliche Hierarchie Kopf/Fuesse als einen der strukturierenden kinaesischen Rahmen dieser Region.
04Zeitgenoessische Verbreitung und Empfehlungen
Das Tabu ist im zeitgenoessischen Thailand, Kambodscha, Laos, Myanmar und Vietnam lebendig, auch in Staedten und Diasporagemeinschaften. Die Tourism Authority of Thailand schliesst es in ihre Praxisratgeber fuer internationale Besucher ein.
05Praktische Empfehlungen
Im buddhistischen Suedostasien: niemals den Kopf einer anderen Person beruehren, unabhaengig von Alter oder Status. Diese Geste durch ein respektvolles Nicken, den Wai (gefaltete Haende, im thaiaendischen/kambodschanischen/laotischen Fall) oder eine leichte Verbeugung ersetzen. Wenn koerperlicher Kontakt angebracht ist, Schulter oder Arm vorziehen. Auch die Koepfe von Buddha-Statuen niemals beruehren, auch nicht im touristischen Kontext. Im Westen: dieses Tabu ist unbekannt; die Geste wird bei Gespraeachspartnern, die nicht aus dem theravada-buddhistischen Suedostasien stammen, kein Problem darstellen.
Geographie des Missverständnisses
Offensiv
- thailand
- cambodia
- laos
- myanmar
- vietnam
- indonesia
- malaysia
- singapore
Nicht dokumentiert
- western-europe
- americas
- east-asia
- south-asia
- middle-east
- sub-saharan-africa
- indigenous-peoples
Historischer Ursprung
Basiert auf der theravada-buddhistischen Lehre des Kwan, die im Tripitaka (Pali-Kanon, 3. Jahrhundert v. Chr. unter Ashoka) kodifiziert ist. Der Kwan bezeichnet Lebensprinzipien, die in verschiedenen Koerperteilen residieren, wobei der wichtigste im Kopf lokalisiert ist. Die Fuesse sind der niedrigste und unreinste Teil. Von Axtell (1998) und Morris et al. (1979) als eines der am meisten missverstandenen Tabus fuer westliche Reisende in Suedostasien dokumentiert.
Praktische Empfehlungen
Zu tun
- En Asie du Sud-Est bouddhiste : ne jamais toucher la tête de quiconque, y compris les enfants, les moines et les personnes en deuil. Préférer un hochement de tête respectueux, une légère inclinaison, ou poser une main sur le bras ou l'épaule si le contact physique est culturellement approprié.
Neutrale Alternativen
Respektvolles Nicken; Thai Wai (gefaltete Haende); leichte Verneigung; Schulter- oder Armkontakt wenn lokal akzeptiert.