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CodexMundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen

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Der OK-Ring (Daumen-Zeigefinger-Kreis)

Bestätigungsgeste im englischsprachigen Raum und Sicherheitssignal der Taucher — doch in São Paulo, Istanbul oder Athen stellt derselbe Daumen-Zeigefinger-Kreis eine Analöffnung dar. Eines der heikelsten Embleme im Ausland.

Vollständig✓ GeprüftSchmähung

Kategorie : Kinesik — GestenUnterkategorie : emblemes-une-mainVertrauensniveau : 3/5 (dokumentierte Hypothese)Benutzername : e0002

Bedeutung

Zielrichtung : Zustimmung, Bestätigung, „perfekt“, „alles in Ordnung“ in der englischsprachigen Welt; ein standardisiertes Sicherheitssignal beim Tauchen. In Japan bedeutet dieselbe Geste „Geld“, da der Kreis an eine Münze erinnert.

Interpretierter Sinn : Darstellung einer Analöffnung in Lateinamerika (vor allem Brasilien), im Nahen Osten und in Teilen des Mittelmeerraums — daher eine sexuelle Beleidigung, mitunter ein Vorwurf der Homosexualität (Türkei, Griechenland). In Südfrankreich und Tunesien bedeutet der Kreis „null“, „wertlos“, „du bist nichts“. In einigen Golfstaaten beschwört die geschüttelte Geste den bösen Blick.

Geographie des Missverständnisses

Offensiv

  • brazil
  • turkey
  • greece
  • italy-south
  • france-argot
  • germany
  • saudi-arabia
  • iran

Neutral

  • usa
  • canada
  • uk
  • ireland
  • australia
  • new-zealand
  • japan
  • china-continental

Nicht dokumentiert

  • central-asia
  • sub-saharan-africa
  • indigenous-peoples

1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

Daumen und Zeigefinger bilden einen geschlossenen Kreis, die übrigen drei Finger sind gestreckt oder leicht gebeugt. Im englischsprachigen Raum — Nordamerika, die Britischen Inseln — bedeutet die Geste „OK“, „einverstanden“, „perfekt“. Sie dient außerdem als Sicherheitssignal beim Tauchen, wo sie genau „alles in Ordnung“ bedeutet: Ihre Form ist dort vom Recreational Scuba Training Council standardisiert, und Taucher lernen, sie statt des erhobenen Daumens zu verwenden, der „ich tauche auf“ bedeutet.

In Japan bedeutet dieselbe einhändige Geste „Geld“, da der Kreis an die Form einer Münze erinnert; sie dient dazu, über Geldbeträge oder Geschäfte zu sprechen, ohne die positive emotionale Aufladung des englischsprachigen Gebrauchs.

2. Wo es schiefgeht: Geografie des Missverständnisses

In mehreren Kulturräumen wird der Daumen-Zeigefinger-Kreis als Darstellung einer Analöffnung gelesen, daher seine obszöne Aufladung:

Hinzu kommt eine zeitgenössische, lokal begrenzte Dimension. Ab 2017 wurde die Geste in den Vereinigten Staaten als vermeintliches „White Power“-Erkennungszeichen zweckentfremdet (die drei gestreckten Finger bilden ein W, der Kreis ein P). Die Anti-Defamation League nahm sie im September 2019 in ihre Datenbank „Hate on Display“ auf und stellte bereits bei dieser Aufnahme klar, dass die Geste in der überwiegenden Mehrheit der Kontexte vollkommen harmlos bleibt und die Absicht von Fall zu Fall zu bewerten ist. Diese Mehrdeutigkeit betrifft nur politisch sensible Kontexte in den Vereinigten Staaten.

3. Historische Entstehung

Der Daumen-Zeigefinger-Kreis ist eine anatomisch minimale und stark polyseme Geste: Unabhängige und oft positive Verwendungen sind sehr alt. Auf griechischen Vasen drückt der aus Daumen und Zeigefinger gebildete Ring — der küssende Lippen nachahmt — bereits im fünften Jahrhundert v. Chr. die Liebe aus. Als Zeichen der Zustimmung und Billigung ist die Geste bereits im ersten Jahrhundert in Rom belegt, wo der Rhetoriker Quintilian sie in seiner rednerischen Chironomie vorschreibt. Sie findet sich auch im buddhistischen und hinduistischen Raum als Symbol innerer Vollkommenheit (die Mudras) und in Neapel als Zeichen der Liebe und der Ehe.

Im englischsprachigen Raum beschreibt der Arzt John Bulwer sie bereits 1644 in seiner Chirologia als eine Geste, „die jenen ansteht, die darlegen, unterscheiden oder zustimmen“. Die Verbindung der Geste mit den Buchstaben „O“ und „K“ ist hingegen amerikanisch und spät: Der Ausdruck „oll korrect“ — eine humorvolle Schreibweise von all correct — wurde 1839 von der Bostoner Presse populär gemacht, dann begleitete die Geste den Slogan des „O.K.“-Klubs der Anhänger Martin Van Burens („Old Kinderhook“) im Jahr 1840.

Die obszöne mediterrane, lateinische und nahöstliche Lesart gehört zu einem eigenen gestischen Repertoire. Entgegen dem, was viele Handbücher der interkulturellen Kommunikation behaupten, ist ihr genaues Alter durch die maßgeblichen Quellen nicht solide belegt: Es handelt sich um einen in der Gegenwart belegten Gebrauch, dessen historische Tiefe jedoch ungewiss bleibt. Sicher ist, dass die Globalisierung des Austauschs im zwanzigsten Jahrhundert die positive und die obszöne Lesart ein und derselben Geste frontal aufeinanderprallen ließ.

4. Dokumentierte berühmte Vorfälle

5. Praktische Empfehlungen

Historischer Ursprung

Der Daumen-Zeigefinger-Kreis ist eine polyseme Geste mit alten und überwiegend positiven Wurzeln: Liebe auf griechischen Vasen (5. Jh. v. Chr.), rednerische Billigung bei Quintilian (1. Jh.), Vollkommenheit in den Mudras, Liebe in Neapel, eine von Bulwer (1644) beschriebene englischsprachige Geste der Zustimmung. Die Verbindung mit den Buchstaben „O“ und „K“ ist amerikanisch und spät („oll korrect“, Bostoner Presse 1839; Van Burens Klub „Old Kinderhook“, 1840). Die obszöne anale Lesart, in der Gegenwart im Mittelmeerraum, in der lateinischen Welt und im Nahen Osten belegt, ist von ungewisser historischer Tiefe. Die Globalisierung des 20. Jahrhunderts brachte diese Lesarten in Konflikt.

Dokumentierte Vorfälle

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • En contexte anglophone nord-américain ou britannique : geste sûr pour valider. En plongée sous-marine : usage codifié international.

Zu vermeiden

  • Ne jamais utiliser en Amérique latine (surtout Brésil), Turquie, Grèce, Italie du Sud, Moyen-Orient. En France méridionale, éviter de l'utiliser pour valider : l'interlocuteur peut comprendre « zéro ».

Neutrale Alternativen

Quellen

  1. Morris, D., Collett, P., Marsh, P., & O'Shaughnessy, M. (1979). Gestures: Their Origins and Distribution. Stein & Day / Jonathan Cape.
  2. Müller, C., Cienki, A., Fricke, E., Ladewig, S., McNeill, D., & Tessendorf, S. (eds.) (2014). « Ring-gestures across cultures and times: Dimensions in variation ». In Body – Language – Communication, vol. 2, p. 1511-1522. De Gruyter Mouton. ISBN 9783110302028.
  3. Matsumoto, D. & Hwang, H.C. (2013). Cultural similarities and differences in emblematic gestures. Journal of Nonverbal Behavior, 37(1), 1-27. —
  4. « What's A-O.K. in the U.S.A. Is Lewd and Worthless Beyond ». The New York Times, 18 août 1996. —
  5. Anti-Defamation League — Hate on Display Database, entrée « Okay Hand Gesture » (ajoutée en septembre 2019). —