Die exponierte Sohle
Fußsohlen zeigen: Westlicher Komfort, größere Beleidigung Asien.
Bedeutung
Zielrichtung : Unfreiwillig, bequeme Sitzhaltung - keine Absicht.
Interpretierter Sinn : Schwere rituelle Beleidigung: Südasien, Mittlerer Osten, zurückweisen oder beschmutzen.
Geographie des Missverständnisses
Offensiv
- egypt
- saudi-arabia
- uae
- qatar
- kuwait
- bahrain
- oman
- lebanon
- syria
- jordan
- iraq
- morocco
- algeria
- tunisia
- libya
- vietnam
- thailand
- indonesia
- malaysia
- philippines
- singapore
- myanmar
- cambodia
- laos
- india
- pakistan
- bangladesh
- sri-lanka
- nepal
- bhutan
Neutral
- usa
- canada
- france
- belgium
- netherlands
- luxembourg
Nicht dokumentiert
- peuples-autochtones
1. Die Geste und ihre erwartete Bedeutung
Im Westen ist das Übereinanderschlagen der Beine mit sichtbarer Schuhsohle eine mechanische, ergonomische Geste ohne Botschaft. Der Fuß ist kulturell nicht codiert: Es handelt sich um eine adaptive Haltung, die der westliche Beobachter als biomechanisches Detail ohne Bedeutung verbucht. Keine Absicht, keine Symbolik. Der Körper ist neutral.
2. Wo es entgleist: Geographie des Missverständnisses
In der arabischen Welt (Emirate, Saudi-Arabien, Ägypten, Libanon, Irak, Jordanien, Katar, Kuwait, Bahrain, Oman, Marokko, Tunesien, Algerien), auf dem indischen Subkontinent (Indien, Pakistan, Bangladesch, Nepal, Sri Lanka, Bhutan) und im buddhistischen Südostasien (Thailand, Indonesien, Malaysia, Kambodscha, Laos) gilt die Schuhsohle als das schmutzigste Objekt am Körper. Die Sohle in Richtung einer Person zu zeigen – auch unabsichtlich, beim amerikanischen „Figure-4"-Sitzen mit Knöchel über dem Knie – heißt sinngemäß: „Du stehst auf einer Höhe mit dem, was mein Fuß tritt." In den Vereinigten Arabischen Emiraten kann es im Geschäftsumfeld genügen, wenn ein Europäer einem Scheich gegenüber die Beine übereinanderschlägt, damit das Treffen ohne ein Wort beendet wird.
3. Historische Genese
Zwei Wurzeln laufen zusammen. Auf hinduistischer Seite ist die älteste Spur der Purusha Sukta (Rigveda, Hymne X.90, datiert um 1200 v. u. Z.): Aus dem Mund des kosmischen Purusha gehen die Brahmanen (priesterliche Kaste) hervor, aus seinen Füßen die Shudras (dienende Kaste). Die Hierarchie ist zuerst sozial, dann durch körperliche Projektion. Die Manusmriti, ein dharmaśāstra-Text aus dem Zeitraum vom 2. Jahrhundert v. u. Z. bis zum 2. Jahrhundert u. Z. (kritische Ausgabe Olivelle 2005, Oxford University Press), kodifiziert anschließend dieses Schema: Die Füße eines Älteren zu berühren wird zu einer rituellen Unterwerfungsgeste; die eigenen Füße einem Höhergestellten zu zeigen, zu einem Mangel an Respekt. Auf muslimischer Seite verlangen die Hadith-Sammlungen des 9. Jahrhunderts – das Sahih al-Bukhari (zusammengestellt um 846 von Muhammad al-Bukhari, †870) und das Sahih Muslim (kurz vor dem Tod Muslim ibn al-Hajjajs, †875, abgeschlossen) – das Ablegen der Schuhe vor dem Betreten einer Moschee oder eines Hauses; die Sohle, die Straße und öffentlichen Boden tritt, gilt dort als praktischer Schmutzträger. An der Kreuzung dieser beiden Korpora gewinnt die freigelegte Sohle im gesamten islamisch-hinduistischen geografischen Bogen den Wert einer ungewollten Beleidigung.
4. Berühmte dokumentierte Vorfälle
Am 14. Dezember 2008 wirft Muntadhar al-Zaidi, irakischer Journalist und Korrespondent des Senders Al-Baghdadia, in Bagdad bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Premierminister Nuri al-Maliki seine beiden Schuhe auf den US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Beim ersten Schuh ruft er auf Arabisch: „This is a farewell kiss from the Iraqi people, you dog"; beim zweiten: „This is for the widows and orphans and all those killed in Iraq." Bush weicht beiden aus. Al-Zaidi wird am 12. März 2009 zu drei Jahren Haft verurteilt (in der Berufung auf ein Jahr reduziert) und am 15. September 2009 nach neun Monaten Haft freigelassen. Bereits am 9. April 2003 schlagen auf dem Firdos-Platz in Bagdad während des Sturzes der Saddam-Hussein-Statue irakische Zivilisten mit Schuhen auf die Bronze ein: eine weltweit übertragene Geste, die die doppelte Symbolik der schmutzigen Sohle und des Tyrannensturzes verdichtet. Am 22. Februar 2010 wirft in Sevilla bei einer Kulturpreisverleihung an Recep Tayyip Erdoğan (damals türkischer Premierminister) Hokman Joma, ein Kurde syrischer Staatsangehörigkeit ohne legalen Aufenthaltstitel in Spanien, einen Schuh auf Erdoğan und ruft „Viva Kurdistan"; der Schuh verfehlt Erdoğan und trifft einen Leibwächter. Joma wird festgenommen.
5. Praktische Empfehlungen
Tun: (1) in jedem formellen Kontext im Nahen Osten, in Süd- und Südostasien beide Füße auf dem Boden lassen; (2) wenn Beine übereinandergeschlagen werden müssen, dann flach, mit der Sohle zum Boden – Knöchel über dem Knie ist verboten; (3) die Haltung des lokalen Gastgebers beobachten und übernehmen; (4) Schuhe vor dem Betreten eines Hauses, einer Moschee oder eines Tempels ablegen. Nicht tun: (1) in einer emiratischen Madschlis, einem katarischen Büro oder einem hinduistischen Salon niemals Bein über Knie in der amerikanischen „Figure-4"-Pose schlagen; (2) Füße weder auf einen Gesprächspartner noch auf eine religiöse Ikone richten (Buddha-Statue, heiliges Bild, am Boden liegender Koran); (3) den Vorfall nicht nachträglich relativieren, indem auf Unwissenheit verwiesen wird: Die Wahrnehmung steht. Sichere Alternativen: Füße geschlossen am Boden, Knöchel diskret unter dem Stuhl gekreuzt, aufrechte Haltung als Zeichen des Respekts.
Historischer Ursprung
Zwei zusammenlaufende Wurzeln. (1) Hinduismus: das Purusha Sukta (Rigveda X.90, ca. 1200 v. Chr.) ordnet die Brahmanen dem Mund und die Shudras den Füßen des kosmischen Purusha zu — soziale Hierarchie, projiziert auf den Körper. Die Manusmriti (2. Jh. v. Chr. – 2. Jh. n. Chr., Edition Olivelle 2005) kodifiziert dieses Schema im Dharmaśāstra. (2) Islam: die Hadith-Sammlungen des 9. Jahrhunderts (Sahih al-Bukhari um 846 von al-Bukhari †870 zusammengestellt; Sahih Muslim kurz vor dem Tod von Muslim ibn al-Hajjaj †875 vollendet) verlangen das Ablegen der Schuhe beim Betreten einer Moschee oder eines Hauses; die Sohle, die die Straße und den öffentlichen Boden betritt, gilt als Objekt praktischer Befleckung. An der Schnittstelle dieser beiden Korpora, im islamisch-hinduistischen geografischen Bogen, wird die offen gezeigte Sohle zur schweren unbeabsichtigten Beleidigung.
Dokumentierte Vorfälle
- 2008-12-14 — Le 14 décembre 2008 à Bagdad, le journaliste irakien Muntadhar al-Zaidi (Al-Baghdadia TV) jette ses deux chaussures sur le président américain George W. Bush en criant en arabe « This is a farewell kiss from the Iraqi people, you dog » puis « This is for the widows and orphans and all those killed in Iraq. » Bush esquive. Condamné le 12 mars 2009 à 3 ans de prison, libéré après 9 mois. (BBC ; CNN ; Washington Post ; Wikipedia)
- 2003-04-09 — Le 9 avril 2003, place Firdos à Bagdad, lors du renversement télévisé de la statue de Saddam Hussein, des civils irakiens frappent le bronze à coups de chaussure — geste qui condense la souillure rituelle de la semelle et l'humiliation du dictateur déchu. (Wikipedia (Saddam Hussein statue destruction) ; BBC ; ABC News ; Bangor Daily News)
- 2010-02-22 — Le 22 février 2010, à Séville, lors d'une cérémonie de remise de prix culturel à Recep Tayyip Erdoğan (alors Premier ministre turc), Hokman Joma, Kurde syrien, lance une chaussure sur Erdoğan en criant « Viva Kurdistan ». La chaussure manque sa cible et frappe un garde du corps. Joma est arrêté. (Hürriyet Daily News ; Al Arabiya ; Wikipedia (List of shoe-throwing incidents))
Praktische Empfehlungen
Zu tun
- - Garder les deux pieds posés au sol dans tout contexte formel au Moyen-Orient, en Asie du Sud et du Sud-Est - Si l'on croise les jambes, le faire à plat, semelle dirigée vers le sol, jamais cheville au-dessus du genou - Observer la posture de l'hôte local et la calquer - Retirer ses chaussures avant d'entrer dans un foyer, une mosquée, un temple
Zu vermeiden
- - Ne jamais croiser jambe sur genou en posture américaine « figure 4 » dans une majlis émiratie, un bureau qatari ou un salon hindou - Ne pas pointer ses pieds vers un interlocuteur, une icône religieuse, un Coran ou une statue de Bouddha - Ne pas relativiser après coup en plaidant l'innocence : la perception est faite - Ne pas franchir un seuil de domicile ou de mosquée chaussé
Neutrale Alternativen
- Bevorzugen Sie verbale Kommunikation
- Universelle Gesten verwenden
- Nach Konventionen fragen Kontext
Quellen
- The National (UAE, 2018). Why showing the soles of your feet can be offensive in the Arab world. — ↗
- Slate (2008). What do Iraqis find so insulting about shoes and feet? — ↗
- Al Jazeera (2013). The Arabs and their flying shoes. — ↗
- CNN (2008-12-14). Iraqi journalist throws shoes at Bush in Baghdad. — ↗
- Washington Post (2018-12-14). Years ago, an Iraqi journalist threw his shoes at George W. Bush. — ↗
- Wikipedia. George W. Bush shoe-throwing incident. — ↗
- Wikipedia. Muntadhar al-Zaidi. — ↗
- Wikipedia. Saddam Hussein statue destruction. — ↗
- Wikipedia. List of shoe-throwing incidents. — ↗
- Wikipedia. Manusmriti (datation IIe s. AEC – IIe s. EC). — ↗
- Hürriyet Daily News (2010-02). Man who threw shoe at Turkey's Erdoğan willing to return to Syria. — ↗
- Commisceo Global. What Behaviours Are Rude In The Middle East? — ↗
- Poyatos, F. (2002). Nonverbal Communication Across Disciplines, vol. 2: Paralanguage, kinesics, silence, personal and environmental interaction. John Benjamins.
- Olivelle, P. (2005). Manu's Code of Law: A Critical Edition and Translation of the Mānava-Dharmaśāstra. Oxford University Press.
- Hall, E. T. (1966). The Hidden Dimension. Doubleday (proxémique, contexte culturel haut/bas).
- Asia Society, The Sacrifice of Purusha: The Impure Man (Rig Veda X.90). — ↗
- Britannica, Purusha (Hindu mythological figure). — ↗