Die Feigenhand (Daumen zwischen Fingern)
Glueckszeichen im Mittelmeerraum, schwere sexuelle Beleidigung — gleichwertig mit dem Mittelfinger — in Russland, der Tuerkei und auf dem Balkan.
Bedeutung
Zielrichtung : Je nach Kontext: Schutzamulett gegen den boesen Blick (Mittelmeer); absolutes und endgueltiges Ablehnen einer Bitte (Russland/Ukraine); schwere sexuelle Beleidigung oder aggressiver Angriff (Tuerkei, Balkan).
Interpretierter Sinn : Ein westlicher Reisender macht dieses Zeichen moeglicherweise als Kinderspiel 'Ich hab deine Nase' oder in unschuldiger Nachahmung — und wird von einem russischen, tuerkischen oder balkanischen Gegenueber als schwere sexuelle Beleidigung verstanden.
Geographie des Missverständnisses
Offensiv
- russia
- ukraine
- belarus
- turkey
- serbia
- croatia
- bosnia
- indonesia
- mongolia
- south-korea
Neutral
- italy
- spain
- greece
- cyprus
- portugal
- france
- belgium
- netherlands
- germany
- austria
- switzerland
- uk
- usa
- canada
- brazil
- argentina
Nicht dokumentiert
- china
- east-slavic-diaspora
1. Das Zeichen und seine beabsichtigte Bedeutung
Die Feigenhand — bekannt als mano fico (Italienisch), higa (Spanisch/Portugiesisch), Schisch, Kukisch oder Dulja (Russisch) — wird durch das Einschieben des Daumens zwischen Zeige- und Mittelfinger bei geschlossener Faust gebildet. Die Form erinnert an eine versiegelte Feige, daher der Name in den meisten europaeischen Sprachen. Je nach Geographie und Kontext kann dieses identische Zeichen entweder ein wohlwollendes Schutzamulett oder eine schwere sexuelle Beleidigung bedeuten.
2. Beleidigende Bedeutungen und Missverstaendnisrisiken
In Russland, der Ukraine und Belarus heisst das Zeichen Schisch (шиш), Kukisch (кукиш) oder Dulja (дуля) — synonyme Begriffe fuer dasselbe Zeichen der absoluten Weigerung: nicht nur eine Ablehnung, sondern eine Erklaerung, dass nichts gegeben wird. Der Ausdruck fig tebe! (Feigen fuer dich!) begleitet oder ersetzt das Zeichen. In der Tuerkei entspricht es dem erhobenen Mittelfinger: eine sexuelle Beleidigung und aggressiver Herausforderung, oft begleitet von nah alirsin! (nimm das!). Auf dem suedslawischen Balkan (Serbien, Kroatien, Bosnien) bezeichnet sipak oder sip dieselbe aggressive Verweigerungsbeleidigung. In Indonesien und der Mongolei traegt das Zeichen eine explizite sexuelle Konnotation.
3. Historische Urspruenge
(a) Belegt: Das Zeichen geht auf das antike Rom zurueck, wo es als manu fica beim Lemuria-Fest (Mai) bezeugt ist — einem naechtlichen Ritus, bei dem der paterfamilias Ahnengeister (levis umbra) durch apotropaeische Gesten beschwichtigte. Morris, Collett, Marsh und O'Shaughnessy (1979) kartierten seine Verbreitung in 25 europaeischen Laendern. Die sexuelle Symbolik ist explizit: fica ist der lateinische Begriff fuer Feige, auch Slang fuer Vulva. Corbeill (2004) bestaetigt den roemischen apotropaeischen Gebrauch gegen Neid und den boesen Blick.
(b) Abgeleitet: Einer russischen Volkslegende zufolge (Russia Beyond 2014) koennten die Slawen das Zeichen von germanischen Reisenden uebernommen haben; im slawischen Kontext soll es sich in ein Symbol endgueltiger Weigerung verwandelt haben.
(c) Unbekannt: Das genaue Datum des Einzugs des Zeichens in russische/balkanische Traditionen ist nicht durch verfuegbare Tier-1-Quellen dokumentiert.
4. Zeitgenoessische Varianten
In Suedkorea bedeutet das Zeichen 'hier, nimm das!' mit spottischem Weigerungston. In der Mongolei heisst es salaavch (Монгол: Салаавч) mit dem Ausruf mai!. In Ungarn ist es als fityisz bekannt. Im Westen (Deutschland, Frankreich, UK, USA) ist das Zeichen als kindliches Spiel neutralisiert: 'Ich hab deine Nase'. In Italien bleibt die mano fico ein lebendes Amulett: Korallenrot-Schmuck, Silberamulete im Sueden Italiens.
5. Praktische Hinweise
In Russland, der Ukraine, Belarus, der Tuerkei, Serbien, Kroatien und Bosnien unbedingt vermeiden — das Zeichen wird unabhaengig von der Absicht als schwere Beleidigung verstanden. In Indonesien und der Mongolei in formellen Kontexten vermeiden. In Italien, Spanien, Griechenland und Zypern ist das Zeichen in traditionellen Kontexten neutral bis positiv. In gemischten Kontexten standardmaessig unterlassen. Bevorzugen Sie Worte: jeder verbale Ausdruck von Wohlwollen oder Ablehnung ist geografisch eindeutig.
Praktische Empfehlungen
Zu tun
- En Italie, Espagne, Grece et Chypre, le geste mano fico peut etre utilise comme talisman bienveillant ou porte-bonheur, notamment offert a un enfant ou affiche sur une amulette. Connaissez votre contexte culturel avant tout usage.
Neutrale Alternativen
- Direkte Worte der Gutgewogenheit
- Daumen-hoch-Zeichen (regionale Variation beachten)
- Laecheln mit Nicken
Quellen
- Gestures: Their Origins and Distribution
- Gestures: The Do's and Taboos of Body Language Around the World
- Nature Embodied: Gesture in Ancient Rome
- The Mystery of Numbers