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Codex Mundi Gelehrter Atlas der Sinne, die beim Überschreiten von Grenzen verloren gehen
Codex MundiBlick und AugenkontaktMit Blicken bezeichnen (Malaiisch/Indonesisch)
e0192Blick und Augenkontakt · oculesique-geste

Mit Blicken bezeichnen (Malaiisch/Indonesisch)

Malaien und Indonesier zeigen mit den Augen. Gestreckter Finger = vulgär. Fremder sieht nichts. Zwei Codes, zwei Welten.

✓ ZielrichtungDiskreter Hinweis auf ein Objekt oder eine Person, ohne die Hand zu benutzen; Ökonomie der Geste; Respekt des Raumes.
⚠ Interpretierter SinnAusländer wissen nicht, dass es das Zeigen mit den Augen gibt, und interpretieren das Fehlen einer Handbewegung als Unaufmerksamkeit. Umgekehrt sehen Malaien das Zeigen mit dem Finger als eine gewalttätige oder vulgäre Geste an.

01Die Geste und ihre erwartete Bedeutung

In Südostasien – Malaysia, Indonesien, Laos, Thailand, den Philippinen – kann auf ein Objekt oder eine Person auch ohne den Finger gezeigt werden: durch die Blickrichtung, eine leichte Kopfbewegung oder durch Vorschieben/Spitzen der Lippen in Richtung des Ziels ("Lip-Pointing"), manchmal begleitet von einer hochgezogenen Augenbraue. Enfield (2001) dokumentiert anhand laotischer Daten dieses Lippenzeigen als eine eigenständige Bezeichnungsgeste, die sich vom manuellen Zeigen unterscheidet und eigenen Gebrauchsregeln folgt – der Sprecher vergewissert sich zunächst, dass der Adressat ihn ansieht. Mechraoui und Noor (2017) zeigen anhand gefilmter Interaktionen malaiischer Sprecher bei Wegbeschreibungen, dass dieses Repertoire Blick-, Rumpf- und Kopfbewegungen zu mehreren unterschiedlichen Gesten kombiniert, nicht zu einer einzigen — ein nicht-manuelles Repertoire, das neben dem manuellen Zeigen besteht, ohne dass eine der beiden Studien seine relative Häufigkeit belegt. Kendon (1967) hatte allgemeiner festgestellt, dass die Blickrichtung regulierende und signalisierende Funktionen in der sozialen Interaktion erfüllt – ein nützlicher allgemeiner Rahmen, der jedoch nicht spezifisch für dieses südostasiatische Zeigerepertoire ist.

02Wo es aus dem Ruder läuft: Geographie des Missverständnisses

Im Westen wird fast ausschließlich mit der Hand gezeigt – ausgestreckter Finger oder offene Handfläche. Mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, bleibt dort eine allgemein verstandene und verwendete Geste, harmlos oder manchmal als Befehl oder Anschuldigung gelesen. In Malaysia und Indonesien hingegen gilt das Zeigen mit dem Finger – besonders auf eine Person – als unhöflich; der Daumen (vorzugsweise der rechten Hand) oder die offene Handfläche sind dort die gebräuchlichere höfliche Alternative, um ein Objekt oder eine Richtung anzuzeigen.

Daraus entsteht ein doppeltes Missverständnis: Ein Westler, der die Existenz dieser nicht-manuellen Zeigegesten nicht kennt, bemerkt nicht, dass sein Gegenüber gerade etwas angezeigt hat, und fragt sich möglicherweise, warum niemand deutlich auf das fragliche Objekt "zeigt". Umgekehrt kann ein Malaie oder Indonesier, der einen Westler mit dem Finger auf eine Person zeigen sieht, dies als Mangel an guten Manieren deuten.

03Historische Entstehung

Keine überprüfte Quelle erlaubt es, die Entstehung dieses Gestenrepertoires genau zu datieren oder die manchmal behauptete Verbindung zwischen dem Zeigen mit dem Finger und einer Hexereianschuldigung zu bestätigen; diese Behauptung, die in einer früheren Version dieses Eintrags enthalten war, wurde nicht gefunden und wird hier nicht wiederholt. Was die zeitgenössische Sprach- und Gestenforschung (Enfield 2001; Mechraoui und Noor 2017) belegt, ist eine synchrone Beschreibung der Geste und ihrer Gebrauchsregeln, nicht ihre historische Entstehung.

04Dokumentierte Vorfälle

Bei diesem Audit wurde kein durch eine unabhängige Tier-1-Quelle verifizierbarer Vorfall identifiziert (V135-Schutzmaßnahme). Eine frühere Version dieses Eintrags zitierte einen Handelsvorfall, der im veröffentlichten Text selbst als "nicht verifizierte Quelle" gekennzeichnet war; er wird hier nicht wiederholt.

05Praktische Empfehlungen

Tun: die lokalen Zeigegesten beobachten und erkennen lernen (Blickrichtung, leichte Kopfbewegung, vorgeschobene Lippen); selbst den Daumen oder die offene Handfläche statt des Zeigefingers verwenden.

Nicht tun: in Malaysia oder Indonesien mit dem Finger auf eine Person zeigen; annehmen, dass das Fehlen einer manuellen Geste mangelnde Aufmerksamkeit bedeutet.

Alternativen: offene Handfläche, Daumen, verbale Sprache ("dieser da", "der da drüben").

Geographie des Missverständnisses

Neutral

  • vietnam
  • thailand
  • indonesia
  • malaysia
  • philippines
  • singapore

Historischer Ursprung

Nicht-manuelles Zeigerepertoire (Blick, Kopf, Lip-Pointing), synchron dokumentiert durch zeitgenössische Sprach- und Gestenforschung (Enfield 2001, laotische Daten; Mechraoui & Noor 2017, malaiische Sprecher). Keine genaue historische Datierung noch eine Verbindung zu einer Hexereianschuldigung hielt der Überprüfung stand.

Praktische Empfehlungen

Zu tun

  • Lernen Sie, den Augenzeiger zu erkennen und zu verwenden. Daumen oder offene Hand, um auf etwas zu zeigen. Kopfnicken + Blickkontakt, um auf ein Objekt zu zeigen. Verbale Sprache.

Zu vermeiden

  • Zeigen Sie in Malaysia oder Indonesien niemals mit dem Finger auf eine Person - das ist eine Beleidigung. Vermeiden Sie das Zeigen mit dem Finger, auch auf Gegenstände; verwenden Sie stattdessen den Daumen, die offene Hand oder den Blick. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Fehlen einer Handbewegung eine Unaufmerksamkeit ist.

Neutrale Alternativen

Quellen · 3

AkademischEnfield, N. J. (2001). 'Lip-pointing': A discussion of form and function with reference to data from Laos. Gesture, 1(2), 185-212. —
AkademischMechraoui, A. & Noor, F. (2017). The direction giving pointing gestures of the Malay Malaysian speech community. Gesture, 16(1), 68-99. —
AkademischKendon, A. (1967). Some functions of gaze-direction in social interaction. Acta Psychologica, 26, 22-63.

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